Rosen in der Garten- und Freiraumgestaltung
Kann Beliebtheit schaden? Fast möchte man das glauben angesichts der vielen sich gleichenden Bilder von Rosen mit Buchs oder Lavendel in Privatgärten und einfallslosen Rosen-Monokulturen im öffentlichen Grün.
Dabei bietet kaum eine Pflanze eine solche Vielfalt wie die Rose: von den Zwerg- oder Patiorosen, die 40 cm Höhe und Breite kaum überschreiten bis zu manchen Giganten aus den Klassen der Rambler (z.B. ´Paul´s Himalayan Musk´) und einmal blühenden Großstrauchrosen (z.B. ´Cérise Bouquet´), die auch in unserem Klima 10 m Höhe bzw. ein Volumen von 3 m³ erreichen können. Diese Vielfalt spiegelt sich wieder in dem immensen Sortenangebot am Markt. Es gibt – vorausgesetzt man erfüllt die wesentlichen Standort- und Pflegeansprüche - Rosen für jeden Gestaltungsstil und Verwendungszweck: von den natürlichen Schönheiten mit ungefüllten oder halbgefüllten Blüten bis zu den üppigen Blütenbällen der Romantikrosen; von Sorten mit locker ungezwungenem Wuchs bis zu solchen, deren Habitus sich für formale Gestaltungen anbietet.
„Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“. Sicher ist es der Duft, der so entscheidend für die Beliebtheit von Rosen ist. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzendüften wird echter Rosenduft fast immer als angenehm, ja beglückend empfunden.
Für die Verwendung von Rosen in der Garten- und Freiraumgestaltung sollten folgende allgemeine Kriterien beachtet werden:
- Wuchs, Blüte, (Duft) und Belaubung machen gemeinsam das individuelle Flair einer Sorte aus, das bestimmend für die Gestaltung ist. Das verlangt eine gute Sortenkenntnis vom Planer.
- Rosen brauchen geeignete Pflanzenpartner, um richtig zur Geltung zu kommen und um als harmonischer Teil einer Grünplanung wahrgenommen zu werden. Das schließt Monokulturen in der Regel aus, in denen Rosen zu Farbflächen degradiert werden.
- Immer dort, wo Menschen verweilen sollte duftenden Rosensorten der Vorzug gegeben werden.
- Standort, Sortenwahl und Pflege müssen auf einander abgestimmt sein. Sind einige Grundvoraussetzungen erfüllt, gibt es geeignete Sorten für warme und für kühlere Lagen, von Rosen in den Griff zu bekommen sind sie in die nachstehenden Rosenklassen eingeteilt worden. Die Übergänge zwischen diesen Klassen sind fließend, desfür Halbschatten, mit geringen und mit höheren Pflegeansprüchen etc.
- Angesichts der vielen wünschenswerten Eigenschaften, die eine Rose haben soll gilt es immer Prioritäten zu setzen, denn die „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es auch bei Rosen nicht. (Obwohl einige Sorten dem sehr nahe kommen.)
Um die Formenvielfalt von Rosen in den Griff zu bekommen sind sie in die nachstehenden Rosenklassen eingeteilt worden. Die Übergänge zwischen diesen Klassen sind fließend, deshalb eignet sich z.B. manche Kletterrose bei entsprechendem Schnitt als wunderbarer Solitärstrauch und umgekehrt, oder einige langtriebige Kleinstrauchrosen ergeben schöne kleine Rambler an niedrigen Zäune. An dieser Stelle kann nur auf einzelne wichtige Kriterien für die Verwendung der verschiedenen Rosenklassen hingewiesenwerden; das Thema ist sonst zu umfangreich.
Kleinstrauchrosen: Sorten dieser Rosenklasse, die stark auf Gesundheit und Pflegeleichtigkeit hin gezüchtet werden, müssen mit passenden Stauden; besonders auch Gräsern „inszeniert“ werden, damit ihr Reiz zur Geltung kommt. Durch die massenweise Verwendung als Monokultur im öffentlichen Grün sind sie geradezu entwertet worden. Mit der richtigen Auswahl und Anordnung der Rosen und Begleitpflanzen lässt sich jedoch auch dort die Forderung nach maschineller Rückschnittseignung mit einer ansprechenden Gestaltung verbinden. Ein Muss bei Sorten dieser Rosenklasse ist eine gute Selbstreinigung.
(diese Rosen dem gestalterischen Ziel entsprechend formiert werden müssen und den dafür nötigen Sachverstand verlangen.
Groß)strauchrosen: Strauchrosen in voller Blüte oder im herbstlichen Hagebuttenschmuck übersieht keiner! Sie bringen immer viel Struktur und Farbe, je nach Sorte auch noch Duft und werden viel zu wenig genutzt. Weil sie so prägend sind für eine Gestaltung muss die Sorte in Stil, Größe und Ansprüchen genau passen. Von kleineren Sorten für kleine Gärten über größere Sorten, Wildrosen und ihren Hybriden für öffentliche Anlagen bis zu den autochthonen Arten für die Landschaft – die gestalterischen Möglichkeiten sind unerschöpflich, der ökologische Wert beträchtlich.
Beetrosen: Kompakter und buschiger als Edelrosen, oft mit schon recht edlen Blüten, manchmal mit auffallenden Farben und Duft erfüllen sie meist die Wünsche der Privatkunden nach attraktiven Blüten (auch zum Vasenschnitt) und einem dauerhaftem Farbakzent. Je auffallender Blüten und Farben sind, desto dezenter sollten die Pflanzenpartner sein, um jede Knalligkeit zu vermeiden. Ideal sind Gräser, Struktur- und Blattschmuckpflanzen und alle Ton-in-Ton-Gestaltungen.
Edelrosen: Große, oft herrlich duftende Blüten, aber ein unattraktiv steifer Wuchs – die Bedeutung von Edelrosen für die Gartengestaltung ist begrenzt. Trotzdem werden sie als Schnittblume im Hausgarten immer wieder verlangt. In kleineren Gruppen, kombiniert z.B. m Kräutern (Salvia off., Hyssopus, Artemisia abrotanum), die ihnen nicht „die Schau stehlen“, aber ihren besenförmigen Wuchs mildern, lassen sie sich einigermaßen unterbringen.
Kletterrosen und Rambler: Diese Rosen werden meist gepflanzt, um bauliche Elemente (Zäune, Bögen, Mauern, Wände, Pergolen) zu schmücken. Daraus folgt, dass die benötigte Wuchshöhe und –breite das wichtigste Kriterium bei der Sortenwahl ist. Hier wird aus mangelnder Sortenkenntnis immer wieder der Fehler gemacht, eine zu schwach bzw. bei Ramblern zu stark wachsende Sorte zu wählen. Vor allem an Pavillons oder Pergolen wirken Sorten, die nur 2 -3m erreichen mickrig und verderben das geplante Bild. Umgekehrt sind kleine Bäume, Bögen und Zäune, die von manchen einmal blühenden Ramblern zugewuchert sind, spätestens nach der Blüte auch nicht mehr reizvoll. Oft ist eine Kombination von Kletterosen und Ramblern die ideale Lösung. Zu bedenken ist auch, dass diese Rosen dem gestalterischen Ziel entsprechend formiert werden müssen und den dafür nötigen Sachverstand verlangen.
Die Vielfalt an Formen und Sorten der Rosen ist ein Schatz, der uns nicht abschrecken sondern inspirieren sollte zur abwechslungsreichen und anspruchsvollen Gestaltung unserer Gärten und Freiräume.
Bettina Elbern-Nguyen, im Februar 2010